Bei der Sanierung älterer und denkmalgeschützter Gebäude sind immer auch Fragen zu klären, die sich mit der künftigen Wärmeversorgung beschäftigen: Was soll aus der alten Öl- oder Gasheizung werden? Wie beugt man Feuchte- und Schimmelproblemen vor? Will man mit der neuen Heizungsanlage weiter Brennstoff verbrennen oder auf ein Heizsystem ohne Verbrennung im Haus umsteigen? Wo liegen die Kosten? Was ist sinnvoll?
Steht eine Erneuerung der Heizungsanlage an, entscheidet sich mit der Wahl der Heizungsart letztlich die Sanierungsstrategie für das gesamte Gebäude. Bleibt es bei einer Heizung, die fossile Energieträger verbrennt und Kohlendioxid freisetzt, bleibt dieser Ausstoß bestehen, und viele sinnvolle Sanierungsmaßnahmen werden problematisch.
Niedertemperatur-Flächenheizung
Völlig anders sieht es aus, wenn man sich für ein modernes Heizsystem entscheidet: eine Niedertemperatur-Flächenheizung zur Hüllflächen- und Bauteiltemperierung. Dieses Heizsystem löst viele Probleme im Gebäudebestand, zumal praktisch alle Gebäude über die baulichen Voraussetzungen verfügen, ein solches System einzubauen.
Unsichtbar hinter Wänden oder unter Zimmerdecken verbaut, in Verbindung mit einer gezielten Innenraumdämmung (z. B. der oberen Geschossdecke oder der Nord- und Ostwand) und ergänzt um Wärmespeichermodule, die in den Sommermonaten zugleich die Raumtemperatur stabilisieren, spendet die großflächige Niedertemperatur-Heizung eine wohltuende Wärme.
Die Raumtemperatur kann gegenüber konventionellen Warmluftheizungen reduziert werden. Durch den Verzicht auf Konvektionswärme werden Pollen und Staubteilchen nicht mehr in einem „Wirbelwind“ durch die Zimmer transportiert. Bauliche Schwachstellen, an denen sich Feuchtigkeit niederschlagen kann, lassen sich gezielt temperieren und trocken halten. Das beugt Schimmelbildung vor: Die Nordwand hinter dem Kleiderschrank bietet Schimmel so keinen günstigen Nährboden.
Spezielle Wärmeleisten können zudem genau dort angebracht werden, wo das Gebäude Schwachstellen aufweist, etwa an Balkonanschlüssen oder hinter Schränken an Außenwänden, wo sich sonst Feuchtigkeit sammeln könnte.
Auch bauphysikalisch ist der Austausch des bisherigen Heizsystems gegen eine Flächenheizung sinnvoll. Darauf weist u. a. Dipl.-Ing. Thomas Tech, Experte für technische Gebäudeausrüstung bei der Gertec GmbH in Essen, hin: „Beim Austausch alter Öl- oder Gasheizungen (Vorlauftemperaturen ca. 65 °C) gegen Luft-Wasser-Wärmepumpen (Vorlauftemperaturen ca. 45 °C) kann die Beheizung von Wohnräumen in Bestandsgebäuden aufgrund der deutlich niedrigeren Vorlauftemperaturen zu erheblichen Problemen führen. Diese Probleme können vermieden werden, wenn statt der üblichen Heizkörper große Flächenheizsysteme eingesetzt werden.“
Wie die alten Römer
Neben den bekannten Wand- und Fußbodenheizungen gibt es eine interessante Variante, wie hinter Wänden und Zimmerdecken Wärme erzeugt und verteilt wird: das mehr als 2000 Jahre alte Hypokausten-System, mit dem bereits die alten Römer ihre Gebäude clever temperierten, indem sie Warmluft durch Zwischenwände und Decken zirkulieren ließen.
Bei der modernen Variante wird eine Vorsatzschale mit einem Platzbedarf von 6 cm (ohne Innendämmung) bis 11 cm (mit Innendämmung und Speicherkern) vor der Wand oder unter der Zimmerdecke angebracht. Dahinter befindet sich das Heizequipment, das etwa 30 cm über dem Boden und 30 cm unterhalb der Zimmerdecke installiert wird. Mithilfe dieser sogenannten Heizregister wird die „eingesperrte“ Luft zwischen Bestandswand und Vorsatzschale erwärmt. Die Warmluft verteilt sich gleichmäßig in diesem Zwischenraum und erwärmt die gesamte Fläche der Vorsatzschale, über die der Raum temperiert wird. Es ist oft eine verblüffende Erfahrung, dass man zum Erwärmen eines Raumes keine heiße Luft benötigt, sondern angenehme Strahlungswärme wie von einem Kachelofen erleben kann.
Keine Einschränkungen
Der gesamte restliche Wandbereich steht den Bewohnern voll zur Verfügung. Hier können, wie an jeder anderen Trockenbauwand auch, Regale befestigt, Bilder oder Wandlampen aufgehängt und Steckdosen oder Schalter eingebaut werden.
Auf gleiche Weise arbeitet das System im Bereich der Zimmerdecke. Dort lassen sich auf Wunsch separat zuschaltbare Wärmezonen mit höherer Leistung installieren, etwa über Sitzecken oder im Essbereich, um die Behaglichkeit gezielt zu erhöhen. In Heizungsdecken können problemlos LED-Strahler integriert werden.
Beitrag zum Bautenschutz
Die Flächenheizung leistet überdies einen wichtigen Beitrag zum Bautenschutz: Da im Innenbereich ausschließlich mit diffusionsoffenen Materialien gearbeitet wird, bleibt die Bausubstanz stabil und wird langfristig erhalten. Mit Strom aus erneuerbaren Quellen entfallen Verbrennungsemissionen und Feinstaub am Gebäude. Wo immer möglich, kann ein Teil der benötigten Energie über eine Photovoltaikanlage selbst erzeugt werden.
Mehr über Aufbau und Funktionsweise erfahren Sie auf unserer Seite zum Flächenheizsystem.